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Einfluss der Rektusdiastase auf das Essverhalten

Aktualisiert: 6. Aug. 2023

Ernährung und Rektusdiastase bedingen sich gegenseitig. So führt eine große Rektusdiastase zu einem geringeren Sättigungsgefühl und ein permanent übermäßiges Essen zu einer Rektusdiastase.


Abb. 1: frische Lebensmittel für die Regeneration des Bindegewebes


Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einfluss der Ernährung auf die Rektusdiastase
3. Einfluss der Rektusdiastase auf die Ernährung
4. Ansätze zur Verringung des Drucks auf das Bindegewebe
4.1 Prävention
4.1.1 Schwangerschaft
4.1.2 Wochenbett
4.1.3 Rückbildung
4.2 Therapie


1. Einleitung


Nach einer oder mehreren Schwangerschaften hat sich der weibliche Körper verändert. Viele Frauen akzeptieren diesen Zustand, da gerade in der heutigen Zeit vermehrt vermittelt wird, dass jeder Körper schön sei und es werden wieder mehr realistische Bilder veröffentlicht. Diese Bewegung hat viele Vorteile und ich unterstütze diese Auffassung prinzipiell auch. Jedoch hat diese Medaille auch eine Rückseite. Es gibt Frauen, die finden ihren Körper nach der Schwangerschaft nicht mehr schön und möchten diesen Zustand nicht akzeptieren. In diesem Zustand hilft keine Werbung, dass jeder Körper schön ist!



Abb. 2: Vorher-Nachher-Vergleich frontal der Rektusdiastase-Therapie und Ernährungsumstellung


Auf den Bildern (oben und unten) siehst Du eine 2-fach Mama, die diesen Zustand nicht akzeptieren wollte, denn sie fand sich nicht mehr schön. Links ist der Zustand mit dem sie zu mir kam. In den folgenden Monaten beschloss sie ihre Rektusdiastase zu schließen und ihre Ernährung umzustellen. Das aktuelle Resultat siehst Du auf dem rechten Bild.


Abb. 3: Vorher-Nachher-Vergleich seitlich der Rektusdiastase-Therapie und Ernährungsumstellung



2. Einfluss der Ernährung auf die Rektusdiastase


Isst man permanent zu viel, gibt das täglich Druck auf die Linea Alba, das Bindegewebe, was sich direkt vorn an der Bauchwand zwischen den geraden Bauchmuskeln befindet.

Je mehr dauerhafter oder wiederkehrender Druck auf dem Bindegewebe lastet, desto dünner und weicher wird. Ist das Bindegewebe weich, kann es die geraden Bauchmuskeln nicht in der Körpermitte halten.


Daraus lässt sich erkennen, dass der Ursprung einer Rektusdiastase nicht immer in der Schwangerschaft liegen muss, sondern bereits vor der Befruchtung bestanden haben kann.


Befinden sich die Bauchmuskeln bei Normalgewicht in der Körpermitte, dienen sie als Barriere des Magens. Bei Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme weitet sich der Magen aus. Ist er so geweitet, dass er vorn gegen die Bauchmuskulatur stößt, wird ein Signal an das Gehirn geleitet. Im Gehirn wird dieses Signal zum Sättigungsgefühl umgewandelt. Unser Magen gibt uns also ein Zeichen, wann er so voll ist, dass er sich nicht weiter ausdehnen kann.


Isst man regelmäßig über dieses Sättigungsgefühl hinaus, versucht der Magen sich weiter auszudehnen und drückt von innen gegen die Linea Alba, das Bindegewebe zwischen den Bauchmuskeln. Dauerhaftem oder starkem wiederkehrenden Druck kann das Bindegewebe auf lange Sicht nicht standhalten. Es wird durch den inneren Druck überdehnt und weicher. Durch diese Überdehnung hat das Bindegewebe nicht mehr die Kraft die Bauchmuskulatur in der Mitte zu halten und diese rutschen nach außen weg.


Da sich die Bauchmuskeln nun nicht mehr in der Körpermitte befinden, fehlt dem Magen die Barriere für das Sättigungsgefühl. Von nun an kann er sich ungehindert nach vorn ausdehnen, da ihn das schwache Bindegewebe nicht mehr aufhalten kann. Der Kreislauf hat begonnen - je schwächer das Bindegewebe, desto weniger Sättigungsgefühl und je weniger Sättigungsgefühl, desto größer die Portionen. Je größer die Portionen, desto mehr Druck von innen. Je mehr Druck von innen, desto schwächer das Bindegewebe. Jetzt sprechen wir von einer Rektusdiastase durch falsche Ernährung.



3. Einfluss der Rektusdiastase auf die Ernährung


Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall. Entsteht die Rektusdiastase durch die Schwangerschaft, ist das Prinzip zwar das Gleiche, jedoch hat man persönlich weniger Einfluss auf diesen Zustand. Man kann zwar präventiv bereits eine Menge dazu beitragen, dass die Rektusdiastase verhältnismäßig klein bleibt in der Schwangerschaft oder sich gut regeneriert im Wochenbett und der Rückbildung, nur leider erfahren viele Frauen aktuell noch zu spät, was sie hätten tun sollen. Die Rektusdiastase wird meist erst thematisiert, wenn sie sich bereits manifestiert hat.


Wurde man als Frau in oder direkt nach der Schwangerschaft nicht über das Thema Rektusdiastase aufgeklärt, ist die Chance heutzutage aufgrund des durchschnittlichen Alters von 30 Jahren bei der Entbindung gering, dass sich die Rektusdiastase von allein komplett schließt.


Wie im vorherigen Abschnitt erklärt, befinden sich bei einer gebliebenen Rektusdiastase die Bauchmuskeln nicht in der Körpermitte, sondern weiter außen. Dieses Phänomen führt dazu, dass sich direkt in der Körpermitte nur das Bindegewebe befindet, welche eigentlich die Bauchmuskeln beieinander halten soll. Das Bindegewebe befindet sich zwar immer noch direkt in der Mitte, durch die Schwangerschaft wurde es nun jedoch geschwächt. Aufgrund der Schwächung kann sich der Magen ungehindert nach vorn ausdehnen, ohne an eine Barriere (normalerweise die Bauchmuskulatur) zu stoßen, die ihn an einer weiteren Ausdehnung hindern soll. Durch diese fehlende Barriere setzt sich bei der Mama kein (oder ein viel späteres und geringeres) Sättigungsgefühl ein. Vielleicht kennst Du es selbst? Kannst Du seit der Geburt auch viel mehr essen als davor?


Um das Sättigungsgefühl wieder herzustellen oder gar nicht erst zu verlieren, gibt es verschiedene Wege.



4. Ansätze zur Verringung des Drucks auf das Bindegewebe


Je nachdem an welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft, des Wochenbetts, der Rückbildung oder auch nach Jahren der letzten Geburt man sich befindet, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Druck vom Bindegewebe zu nehmen um der Rektusdiastase die Möglichkeit der Regeneration zu geben. Denn es ist nie zu spät, die Rektusdiastase zu schließen!


4.1 Prävention


Bist Du gerade schwanger? Dann meinen herzlichen Glückwunsch! Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft und auch dazu, dass Du genau jetzt hier gelandet bist. Jetzt ist der beste Zeitpunkt um die Rektusdiastase gar nicht erst entstehen zu lassen.


Ok, um ehrlich zu sein, brauchst Du während der Schwangerschaft eine Rektusdiastase, damit Dein Baby wachsen kann. Jedoch brauchst Du keine riesige Rektusdiastase, sondern nur eine möglichst kleine. Und dafür kann man einiges tun. Je früher man beginnt, desto besser ist es. Ist Deine Schwangerschaft aber schon weiter vorangeschritten, ist es auch kein Problem. Jede Woche, die man an der Rektusdiastase "arbeitet", ist eine gewonnene Woche!


4.1.1 Schwangerschaft


In der Schwangerschaft geht es darum, die Rektusdiastase recht klein zu halten, damit Schwangerschaftsbeschwerden wie

- Rückenschmerzen

- Verdauungsbeschwerden

- Dehnungsstreifen

vermieden werden kann.


Weiter im Voraus gedacht, können wir mit einer "kleinen" Rektusdiastase auch das Risiko eines Kaiserschnitts senken. Durch eine kleine Rektusdiastase liegt das Baby in der optimalen Geburtsposition (siehe Bild unten) mit dem Kopf nach unten und dem Po nach oben. Je seitlicher das Baby liegt, desto schwieriger wird die Geburt.


Abb. 4: Lage des Baby im Mutterleib bei kleiner Rektusdiastase (l.) und großer Rektusdiastase (r.). Grafik erstellt und illustriert von Natalie Gleim. www.wunder-plunder.com


4.1.2 Wochenbett


Nach der Geburt folgt direkt das Wochenbett. Im Wochenbett laufen die meisten Regenerationsprozesse im weiblichen Körper ab. Zu keiner anderen Zeit bilden sich die belasteten Strukturen wie Gewebe, Sehen, Bänder und Muskulatur so gut zurück wie in den ersten 6 Wochen nach der Geburt. Je kleiner die Rektusdiastase in der Schwangerschaft war, desto schneller und leichter fällt dem Körper die Regeneration. Dies ist jedoch auch der perfekte Zeitpunkt, um dem eigenen Körper zusätzlich ein paar Impulse zu geben, um die Regeneration weiter anzukurbeln. Wir sprechen hier auf keinem Fall von irgendwelchen Fitnessübungen, sondern von sanften und ruhigen Bewegungen für die Anregung der Durchblutung und Aktivierung der Körpermitte.


Jede Mama, die bereits ein oder mehrere Kinder hat, fragt sich jetzt vielleicht, wie man sich das im Wochenbett mit frischem Baby, neuem Alltag und ungewohnten Strukturen vorstellt. Das Programm ist ruhiger als gedacht. Jede Frau entscheidet selbst, wann sie startet - direkt nach der Geburt oder auch ein paar Wochen später. Auch die Übungen werden nur soweit im Alltag untergebracht, wie es stressfrei funktioniert. Man merkt als frischgebackene Mama sehr gut, was einem gut tut und was nicht. Eine komplette Schließung der Rektusdiastase während des Wochenbetts ist auch nicht das Ziel!


4.1.3 Rückbildung


Das Ziel, die Rektusdiastase zu schließen, folgt dann in der Rückbildungsphase. Die Rückbildungsphase schließt direkt an das Wochenbett an und endet ca. 6 Monate nach der Geburt. Hat man bereits im Wochenbett mit sanften Übungen begonnen, hat man bereits den Grundstein für die Rückbildung gelegt.


Aber auch ohne Start im Wochenbett oder der Schwangerschaft trägt eine spezialisierte Rückbildung zur schnellen Regeneration der Rektusdiastase bei. Bei Verdacht auf eine Rektusdiastase erkundige Dich bitte im Vorfeld, ob Deine Hebamme oder Kursleiterin des Rückbildungskurses Rektusdiastase-spezialisiert ist. Ohne Schwerpunkt auf die Rektusdiastase oder Ignoranz der Rektusdiastase können bestimmte Übungen auch zur Vergrößerung der Rektusdiastase beitragen.


mögliche Symptome einer Rektusdiastase:

- ein bleibender Mamabauch

- Rückenschmerzen

- Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen, Völlegefühl oder Verstopfungen

- Beckenbodenprobleme

- schlechte Körperhaltung

- Instabilität der Körpermitte


4.2 Therapie


Hat sich die Rektusdiastase nach der Rückbildung noch nicht wieder geschlossen, spricht man von einer manifesten Rektusdiastase. In dieser Phase ist es besonders wichtig, den bestehenden Zug durch die nach außen ziehenden Bauchmuskeln zu verringern. Genau diesen Zug nimmt ein Therapiegurt. Durch das korrekte Anlegen des Therapiegurtes bringen wir die Bauchmuskeln zurück in die Körpermitte, wodurch der Zug verringert wird.


Ehrlicherweise muss jedoch erwähnt werden, dass der Therapiegurt allein die Rektusdiastase nicht schließt. Um einen dauerhaften positiven Effekt zu erzielen, wird der Gurt mit passenden Übungen und einem Rektusdiastase-freundlichen Alltagsverhalten kombiniert. Ab einer Breite der Rektusdiastase von 4 Fingern (ca. 8cm) wird der Gurt definitiv während der Übungen benötigt. Ohne Gurt können die Bauchmuskeln nicht wie gewohnt Richtung Wirbelsäule ziehen, sondern weichen nach außen weg. Durch dieses Wegweichen ziehen die Bauchmuskeln am Bindegewebe, was die Rektusdiastase weiter vergrößern würde.


Ob der Therapiegurt ebenfalls fester Inhalt in der Prävention während der Schwangerschaft, des Wochenbetts oder der Rückbildung ist, kommt auf das Programm und weitere Einflussfaktoren an. Frauen, die während des Therapieprogramms erneut schwanger werden, können den Therapiegurt z.B. gleich weitertragen. Egal, welches Programm ausgeführt wird oder welche Programme kombiniert werden, ab einer Rektusdiastase von 8cm empfehle ich immer den Therapiegurt zu nutzen. Die Ausnahme trotz großer Rektusdiastase ist direkt nach einem Kaiserschnitt.


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